OLG-Chefin berichtet über „schwere Schuld“ der Justiz

Gudrun Schäpers referiert eindrucksvoll in der ehemaligen Synagoge/„Wachsam sein“ gegenüber antidemokratischen Entwicklungen / Kerze zur Erinnerung an Holocaust-Opfer entzündet

Drensteinfurt.  „Auch die Justiz hat schwere Schuld auf sich geladen“, stellte die Präsidentin des Oberlandesgerichtes (OLG) Hamm, Gudrun Schäpers, gleich zu Beginn ihrer Ausführungen zum Thema „Die Justiz im Nationalsozialismus“ in der ehemaligen Synagoge fest.  Das „Unrecht der Justiz“ habe während der NS-Zeit im Gerichtsbezirk Hamm zu 350 Todesurteilen geführt, berichtete die OLG-Chefin und sprach von „so viel Unrecht, so viel Leid“. Beschämend sei es, dass die verbrecherischen Entgleisungen der Richter in der Nachkriegszeit überwiegend keine oder unzureichende Konsequenzen gehabt hätten. Gudrun Schäpers stellte in ihrem Vortrag vor etwa 35 interessiert zuhörenden Anwesenden aber auch einige „furchtlose Juristen“ vor, die sich der nationalsozialistischen Doktrin widersetzt hätten. „Es ist die Aufgabe der Justiz, wachsam zu sein. Das gilt für die Justiz und für uns alle“, mahnte die OLG-Chefin vor aktuellen antidemokratischen Entwicklungen. „Erinnerungskultur ist eine Ewigkeitsaufgabe“, stellte die Referentin klar, dass die Strukturen des Machtmissbrauchs stetig vergegenwärtigt werden müssten, um Extremismus zu verhindern. Zuvor hatte die OLG-Präsidentin gemeinsam mit dem Synagogensvereins-Vorsitzenden Robert Vornholt am Tag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz an den Stolpersteinen von Emma und Helene Terhoch eine Kerze angezündet, um der Opfer des Nationalsozialismus zu gedenken. 

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Synagogenvereins-Vorsitzender Robert Vornholt bedankte sich bei OLG-Präsidentin Gudrun Schäpers für ihre informativen und anrührenden Ausführungen mit einem Präsent. Foto: OLG Hamm