Ehemalige Drensteinfurter Synagoge wird im Landtag vorgestellt

Düsseldorf/Drensteinfurt. Die ehemalige Drensteinfurter Synagoge zählt zu den 33 NS-Gedenkstätten und -Erinnerungsorten in Nordrhein-Westfalen, die jetzt in einer Ausstellung in der Bürgerhalle des NRW-Landtages präsentiert werden. Die Texte und Fotos sind eine Einladung zur Auseinandersetzung mit der NS-Geschichte und zu einer vertieften Beschäftigung mit der eigenen Verantwortung und dem eigenen Handeln in der Gegenwart. „Demokratie braucht Orte, an denen Geschichte nicht nur erzählt, sondern erforscht, hinterfragt und gemeinsam diskutiert wird“, heißt es im Begleittext zur aktuellen Ausstellung, die von der Landeszentrale für politische Bildung gefördert und vom Arbeitskreis der NS-Gedenkstätten und -Erinnerungsorte verwirklicht wurde. Vom Vorstand des Synagogenvereins Drensteinfurt nahmen Bettina Reher, Mona Kolbow, Michael Sandmann und Robert Vornholt an der Eröffnungsveranstaltung im Düsseldorfer Parlament teil.

Landtagspräsident André Kuper betonte, dass die Ausstellung ein Anlass sei, über die Folgen von Gleichgültigkeit, Hetze und Hass nachzudenken. Es sei ihm ein „besonderes Anliegen, die Arbeit der Mahn- und Gedenkstätten in Nordrhein-Westfalen sichtbar zu machen und ihre Bedeutung für unsere Gesellschaft zu unterstreichen“. In einer Zeit, in der demokratische Gewissheiten zunehmend in Frage gestellt, sich Teile der Gesellschaft radikalisierten und menschenfeindliche Einstellungen wieder artikuliert würden, sei eine lebendige Erinnerungskultur besonders wichtig, dankte Kuper besonders den Menschen, die sich tagtäglich ehrenamtlich für die Erinnerungsarbeit einsetzen. Kuper weiter: „Gedenkstätten sind keine musealen Einrichtungen, sondern fest verankert in der Gesellschaft, in dieser unserer Demokratie“. Zur Wirkung der Arbeit in den Erinnerungsorten erklärte der Landtagspräsident: „Junge Menschen gehen anders aus Gedenkstätten heraus als sie herein gegangen sind. Sie sind etwas, das ihr Leben prägt.“

 

Der Text zur Drensteinfurter ehemaligen Synagoge im Wortlaut:

 

„Der Vergangenheit verpflichtet,

der Gegenwart verantwortlich,

der Zukunft gewidmet.“

 

Die ehemalige Synagoge, Drensteinfurt

 Das ehemalige Synagogengebäude und der jüdische Friedhof legen Zeugnis von 360 Jahren jüdischen Lebens in Drensteinfurt ab. Jüdische Mitbürger:innen waren aktiver Teil der kleinstädtischen Gesellschaft und engagierten sich unter anderem im überregional bekannten Rennverein oder im örtlichen Junggesellenschützenverein.

Die kleine Landsynagoge in Drensteinfurt wurde 1872 erbaut und eingeweiht. Während der Reichspogromnacht 1938 wurde sie geschändet und teilweise zerstört. Da das Gebäude aber eng von anderen Häusern umgeben war, wurde sie nicht angezündet. 1988 ging die ehemalige Synagoge in den Besitz der Stadt über. Bis zu diesem Zeitpunkt diente der Raum als Lager und blieb somit in großen Teilen erhalten.

Nach behutsamer Renovierung wurde das ehemalige Bethaus am 9. November 1992 als Kulturstätte mit erinnerndem und mahnendem Charakter der Öffentlichkeit übergeben.

Heute nutzt der Synagogenverein Drensteinfurt den Erinnerungsort für Vorträge, Lesungen, Konzerte, Ausstellungen und andere kulturelle Zwecke. Besonders Kinder und Jugendliche sollen für die Geschichte des Ortes und jüdisches Leben sensibilisiert werden.