CDU-Bundes-Vize-Vorsitzender Karl-Josef Laumann bekräftigt Brandmauer zur AfD – Bürgermeister Markus Wiewel betont Zusammenhalt – Synagogenvereinsvorsitzender Robert Vornholt kündigt weitere Veranstaltungen an
Drensteinfurt. Klare Kante gegen Rechts: „Mit der AfD zusammen geht nix“, sagte Karl-Josef Laumann. Der Landesminister für Arbeit, Gesundheit und Soziales bekräftigte bei der Kundgebung des Synagogenvereins Drensteinfurt vor etwa 500 Gästen auf dem Drensteinfurter Marktplatz die so genannte Brandmauer, also den Unvereinbarkeitsgrundsatz einer Zusammenarbeit von CDU und AfD. Der Vize-CDU-Bundesvorsitzende wandte sich jetzt bei der Veranstaltung „Lichter für Demokratie III“ an diejenigen – auch in der eigenen Partei –, die die Brandmauer zur AfD einreißen wollen. Drensteinfurts Bürgermeister Markus Wiewel und Synagogenvereinsvorsitzender Robert Vornholt gingen in ihren Ausführungen ebenfalls auf die Ergebnisse der jüngsten Wahlen in Berlin, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt ein und zogen Parallelen zum Aufstieg der Nationalsozialisten vor 93 Jahren.





„Der Vergangenheit verpflichtet, der Gegenwart verantwortlich, der Zukunft gewidmet. Das Motto des Synagogenvereins ist zugleich Auftrag, sich aktiv gegen Antisemitismus, Extremismus und Rassismus einzusetzen“, betonte Vornholt zur Begrüßung. Zweiter Grund für die Einladung zur Kundgebung sei der Aufstieg der Rechtsextremisten: „Auch in Drensteinfurt haben Rechtsextremisten bei der jüngsten Bundestagswahl in einem Wahlbezirk über 20 Prozent der Stimmen bekommen, also jede(r) Fünfte hat für Ausgrenzung, Fremdenhass und Radikalismus gestimmt. Das wollen und werden wir nicht akzeptieren. Wir zeigen hier heute Abend: Wir sind die Mehrheit! Wir lassen uns von Radikalen nicht einschüchtern! Wir verteidigen die Demokratie!“
Laumann belegte mit dem Beispiel der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor allem in Krankenhäusern die Bedeutung von Zuwanderung. „Wenn hier nur Menschen arbeiten, die hier geboren sind, funktioniert keine der Einrichtungen. Ohne die Menschen, die zu uns gekommen sind, funktioniert unser Land nicht“, sagte Laumann und verweis auch auf das Handwerk mit sechs Millionen Beschäftigten, von denen 1,1 Millionen keine deutsche Staatsangehörigkeit hätten.
Eine funktionierende Demokratie brauche demokratische Parteien, die miteinander im Gespräch blieben und Kompromisse fänden, sagte Laumann. „Wir müssen eine Politik machen, mit Menschen aus allen Generationen und den verschiedensten Lebenssituationen, die gemeinsam gut ausgehandelte Kompromisse finden, die nicht spalten, sondern die Gesellschaft zusammenhalten.“ Niemand müsse deshalb vor Angst zittern: „Wir sind viele, und wir können uns wehren.“
Bürgermeister Markus Wiewel dankte dem Synagogenverein, der sich als Veranstalter der Kundgebung erneut gegen Antisemitismus, Ausgrenzung, Rassismus und Hass einsetze. „In unserem Land ist der politische Wind rauer geworden“, befand Wiewel. Extremistische Strömungen versuchten, Keile in die Gesellschaft zu treiben und das Vertrauen in demokratische Werte zu untergraben. Drensteinfurt zeige dagegen Stärke: „Drensteinfurt ist bunt, lebendig und zutiefst solidarisch. Unser gutes Vereinsleben ist das pulsierende Herz dieser Gemeinschaft.“
Synagogenvereinsvorsitzender Vornholt erklärte, dass die Kundgebung Auftakt für weitere Veranstaltungen zum Thema Rechtsextremismus sei: „Wir laden Sie herzlich ein, am 9. November – also am 88. Tag der Wiederkehr der Reichspogromnacht von 1938 – um 18 Uhr am Südenwall dabei zu sein, wenn wir an den Stolpersteinen von Emma und Helene Terhoch der Opfer des Nationalsozialismus gedenken. Anschließend erläutert unser Vorstandsmitglied Mona Kolbow unter dem Titel ,Handlungsfähig sein‘, wie rechtsradikale Zahlencodes und Kleidungsstücke im Alltag identifiziert werden können. Außerdem planen wir zurzeit eine Veranstaltung, bei der vermeintliche Argumente von Rechtsradikalen auf den Prüfstand gestellt und entlarvt werden. Es geht also weiter.“ Denn: „Wir lassen uns von Radikalen nicht einschüchtern, wir verteidigen die Demokratie. Freiheit ist die Grundlage von allem – ohne Freiheit wäre alles nichts.“
